Die Arbeitswelt im Wandel – Industrie 4.0 

Gerade nimmt die vierte industrielle Revolution – die Industrie 4.0 – in Deutschland ihren Einzug. Arbeitsschritte werden zunehmend digitalisiert, Mensch und Maschine vernetzen sich mehr und mehr, und bei der Optimierung von Arbeitsprozessen werden Mitarbeiter nach und nach von künstlicher Intelligenz abgelöst. 

Die Arbeit hat sich in den letzten Jahren bereits stark verändert, und es ist anzunehmen, dass sich dieser Wandel weiter fortsetzt. Damit warten auch neue Herausforderungen auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Mit der Industrie 4.0 kommt das BGM 4.0. 

Wenn Maschinen nicht mehr auf die direkte Bedienung durch den Menschen angewiesen sind, können Fertigungsprozesse ortsunabhängig gesteuert werden. So kann beispielsweise die Fertigung in Asien vom Homeoffice in Deutschland gesteuert werden: ein weiterer Schritt in Richtung Dezentralisierung. 

In direktem Zusammenhang damit stehen die Begriffe Absentismus und Präsentismus, welche neu bewertet werden müssen. Mit der Dezentralisierung verlieren Krankheitstage und Fehlzeiten an Bedeutung, sie können nicht weiter als vorrangige / primäre Kennzahlen für den Nutzen des BGM betrachtet werden. 

Wie kann das BGM den Veränderungen in der Arbeitswelt angemessen begegnen? 

Ein wichtiger Schritt wird wohl darin bestehen, dass das BGM selbst die Möglichkeiten der Digitalisierung erkennt und für sich nutzt / ausschöpft. Im Privatbereich gewinnen beispielsweise Online-Fitnessstudios und Gesundheits-Apps immer mehr an Beliebtheit, dennoch zögern viele Arbeitgeber noch, solche Angebote auch im Unternehmen bereitzustellen / zugänglich zu machen. 

Wer es jedoch schafft, seine Mitarbeiter mit einem zeitgemäßen und individualisierten Angebot an gesundheitsfördernden Maßnahmen zu erreichen, hat bereits den Grundstein gelegt, um sich der neuartigen Arbeitswelt anzupassen. Somit fest: Wir haben spannende Zeiten vor uns. 

Die Herausforderung für das BGM 

Zunächst ist sicher positiv zu bewerten, dass mit der Industrie 4.0 Probleme wie Monotonie und körperliche Überlastung in Fertigung und Produktion größtenteils der Vergangenheit angehören dürften. Gleichzeitig wird sich das BGM verstärkt mit den Risiken der umso individualisierteren Arbeit beschäftigen müssen. 

Der drastische Anstieg psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren lässt vermuten, dass diese in direktem Zusammenhang mit den neuen Anforderungen des digitalen Zeitalters stehen. Die Arbeit verdichtet sich zunehmend, es wird immer höhere Flexibilität [und ständige Erreichbarkeit] gefordert, während gleichzeitig Arbeitsprozesse immer komplexer werden – und zudem mit immer geringeren Ressourcen bewältigt werden sollen. 

Der dadurch entstehende Druck lässt sich auch als körperliche Stressreaktion messen. Wenn die Belastungen überhand nehmen, ist es kein Wunder, dass Innovationskraft, Kreativität und Leistungsfähigkeit / Produktivität des Beschäftigten sinken. 

Damit wird nicht zuletzt auch klar, dass sich das Wohlbefinden und die Gesundheit des Einzelnen langfristig auf den Erfolg des ganzen Unternehmens auswirken. 

Es gilt also Rahmenbedingungen zu schaffen, die über die klassischen Methoden des BGM hinausgehend Über- und Unterforderung vermeiden, Mitsprachemöglichkeiten sicherstellen und Arbeitsplatzsicherheit schaffen. 



          Teil 3 - Notwendigkeit: "Gesundheitsschutz 4.0"